Verfasst von: Sam | Juni 1, 2010

Segelwochenende

Am Wochenende war ich Segeln. Wir sind mit einer Gruppe internationaler Studenten und Erwachsener nach Hohwacht an die Ostsee gefahren und haben das Wochenende mit diversen Wassersportaktivitäten genossen. Man konnte wählen zwischen Segeln, Katamaran, Windsurfen, Kitesurfen und Tretbootfahren. Pünktlich zum zehnjährigen Jubliäum seit Erhalt meines Windsurfing-Grundscheins stand ich endlich mal wieder auf dem Brett. Das Wetter war sehr wechselhaft – Wolken, Sonne, Wolken, Regen – das Wasser allerdings immer gleich – und zwar kalt. Bei knapp 13°C Wassertemperatur und 15°C außerhalb des Wassers können die Füße schnell zu Eiswürfeln werden.

Nachdem ich nun sehr lange nicht mehr ‘gewindsurft’ bin, war es gar nicht so einfach sich auf dem Brett zu halten ohne ins Wasser zu fallen. Da waren die eisigen Füße, die nicht ganz gehorchen wollten, die Wellen, welche das Brett zum schaukeln brachten, und der Wind, der immer wieder umschlug und das Segel in ungünstigen Momentan zu attackieren schien. Am Anfang war es ein ganz schöner Kampf, später ging es dann immer besser.

Irgendwie musste ich an unsere Politiker denken. Ihr Job ist es, die Geschicke des Volkes zu lenken und Entscheidungen zu treffen, welche nicht nur die aktuelle Lage verbessern, sondern auch in eine bessere Zukunft führen sollen. Sicher haben auch sie häufig das Gefühl, ihre Füße seien Eisklumpen, die nicht gehorchen wollen, dass im Sekundentakt Wellen auftauchen, die ihr Fundament zum schaukeln bringen und dass der Wind sich unaufhaltsam dreht und aus neuen Richtungen ihr Segel angreift. Dabei über Wasser zu bleiben, mit aller Kraft das Segel zu halten und in die richtige Richtung zu steuern – da gehört schon einiges dazu. Gerade in letzter Zeit, wo die Wellen und der Gegenwind extrem stark sind, ist es schwer, den richtigen Kurs zu wahren. Bestes Beispiel ist unser Bundespräsident a.D., Horst Köhler, der sich nicht mehr länger auf dem Brett halten konnte und freiwillig ins Wasser sprang.

Interessant ist in diesem Kontext ein Event, das vor zwei Wochen stattgefunden hat. Bei den ‘Tagen der Begegnung’ luden Mitglieder des Bundestages junge Menschen im Alter von 17-27 Jahren ein, um mit ihnen über Glaube und Werte zu diskutieren. Hier zeigte sich eines ganz klar: Die Kraft, in stürmischen Zeiten über Wasser zu bleiben, kommt von innen. Im Wirrwarr verschiedenster Themen und Gesetzesvorschläge geben Glaube und persönliche Werte den Rückhalt, der nötig ist um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Gerade in schwierigen Situationen merkt man, aus welchem Material Leute gebaut sind. Schwierige Situationen können schon uns in Form von Prüfungen, Stress auf der Arbeit oder Konflikte im familiären und freundschaftlichen Umfeld begegenen. Wie reagieren wir?


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