Heute ist also der Tag des angekündigten Besuchs von Philipp D. Murphy, dem US-amerikanischen Botschafter aus Berlin. Mit etwas Verspätung kommt Herr Murphy an der HdM an, wo über 200 Studenten und Professoren ihn bereits erwarten und mit einem Applaus empfangen.
Nach einem kurzen Fotoshooting folgt eine Ansprache auf Deutsch. Darin verrät er, dass sein Hund aus Stuttgart kommt und besser Schwäbisch spricht als er. Dann allerdings wechselt er ins Englische und beginnt seine Show. Schon zu Beginn macht Herr Murphy einen sehr sympathischen Eindruck, was sich unter anderem in kleinen Witzeleien mit Studenten und Fotografen, so wie dem Ablegen seines Jacketts und der Körpersprache zeigt.
Er nimmt uns auf eine Reise indem er mit Hilfe von Fotos auf wichtige historische Events der deutsch-amerikanischen Geschichte eingeht. Dabei bleibt er keineswegs an einem Ort stehen, sondern bewegt sich immer wieder durch die Reihen der Studenten. Natürlich wird der Mauerfall thematisiert und auch auf die Frage, was eigentlich die deutsch-amerikanische Beziehung ausmacht, weiß Murphy eine Antwort: Deutschland und Amerika verbindet eine sehr wichtige Beziehung, da beide Länder enorm viel bewegt haben. Deutschland sei ein wichtiger Partner für Amerika, vor allem wenn es um die Lösung von Problemen in dieser Welt geht.
Eingeleitet mit dem 11. September spricht Murphy über Afghanistan. Er betont, dass Deutschland auf tapfere, vorbildliche Art und Weise seine Freiheit in Afghanistan verteidige und weiterhin verteidigen muss. Der Kampf gehe darum, Al Qaida zu bezwingen. Die Frage in der anschließenden Pressekonferenz, ob er den Spruch “ISAF bedeutet I Saw only Americans Fighting” kenne, verneint er.
Die Ausführungen zum Thema Klimaschutz sind allerdings ziemlich enttäuschend. Die Nichtbeteiligung Amerikas am Kyoto Protokoll wird durch das Scheitern der Durchsetzung aus Mangel an Unterstützung aus dem Kongress erklärt, und zur amerikanischen Beteiligung in Sachen Klimaschutz lediglich gesagt, dass Amerika bereits den Umweltschutz fördere indem es “grüne” Unternehmen unterstütze. Als Beispiel für amerikanisches Engagement wird auf den Tesla Roadster, ein mit Elektromoto angetriebenes Auto, verwiesen. Eine weitere Aussage Murphys ist, dass aus 1+1=3 wird: Wenn Deutschland und Amerika synergetisch arbeiten, sind sie stärker. Dass aus Deutscher Sicht allerdings nur die unsere Seite des Atlantiks wirkliche Schritte in Richtung Klimaschutz tut und auf einen wirklichen Impuls von amerikanischer Seite her wartet, bleibt unbeachtet.
Neben einigen Ausführungen zu seinen persönlichen Helden (z.B. Rosa Parks, die durch einen Akt des zivilen Ungehorsams die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA begründete) präsentiert Murphy zur Frage nach der Rechtfertigung der Friedensnobelpreisvergabe an Obama folgenden Gedankengang: Ebenso wie Obama wird auch Willy Brandt für seinen Kniefall von Warschau kritisiert. Der Kniefall war jedoch ein wichtiger und richtiger Schritt für die deutsche Politik; ebenso wichtig ist der Friedensnobelpreis als Ansporn für Obama.
Murphys Hauptbotschaft an die Studenten ist ein Appell aktiv zu werden. Jeder soll sich engagieren, da jede Hand gebraucht wird. Wenn jeder sich (politisch) engagiert, dann kann ein wirklicher Unterschied gemacht werden. Des Weiteren appellierte er an Studenten, mindestens 3 Monaten in den USA zu verbringen: Nur wenn beide Länder den Austausch vorantreiben und mal “in den Schuhen des Anderen laufen würden”, könne das deutsch-amerikanische Verhältnis nachhaltig verändert werden.
Im Großen und Ganzen ist es eine super Show und sehr unterhaltsam. Die leider wenigen studentischen Fragen (4 Stk.) werden allerdings teilweise eher oberflächlich und ausweichend beantwortet, wie man es von Politikern kennt. Harte Fakten fehlen nicht nur hier, sondern auch während des Vortrags. Ein richtiger Dialog zwischen Botschafter und Studenten kommt nicht zustande. Störend ist, dass Herr Murphy sich abwendet während jemand eine Frage stellt und keinen Augenkontakt behält, beziehungsweise Zwischeneinwürfe macht. Das gehört sich in Deutschland nicht.
Konnte Murphy Medienstudenten auch ohne eine Power Point Präsentation und Videos beeindrucken? Definitiv.
Im anschließenden Gespräch mit der Presse kommt dann mein großer Moment: Ich habe die Möglichkeit insgesamt vier Fragen an Herrn Murphy zu stellen:
1. “No nation is looking for heroes as intensely as Americans do. If we look at the recent campaigning, the two candidates have clearly been portrayed as heroes: McCain as the heroic vietnam veteran, Obama as the guy who can change and save the world. Do you think the American people are in danger of looking at the hero story rather than realistic political claims and facts?”
2. “Do you think the recent death of many newspapers caused by the financial crisis really matters to a society that primarily turns to television and the internet for news?”
3. “In Germany we try to give everyone the possibility to study at a university for free. In the US, students are facing incredible fees. Shouldn’t education be for free?”
4. “What steps does the American government take in order to prevent future school shootings?”
Die Antworten werden hoffentlich bald in einem Stufebeitrag erscheinen. Es wird interessant sein, sich die ein oder andere Aussage nochmal genau anzuhören.












